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Kurz-Vortrag über die Fragestellung

„Wie wirkt sich die Freimaurerei auf den Menschen aus?“

gehalten in der Johannisloge Victoria zur Morgenroethe von Br. Lehrling I.C.K.


„Wie wirkt sich die Freimaurerei auf den Menschen aus?“ Es gibt Menschen, die solch eine Frage durchaus ernsthaft stellen. Aber warum fragen sie danach?

Antwort: Weil Sie sich für die Thematik „Mensch und Umwelt“
interessieren, durch Gerüchte um die Freimaurerei und dessen
Geheimnisse und Mythen leicht verunsichert sind. Sie suchen
nach Orientierung, sicherlich auch auf Ihre Beweggründe der
Fragestellung bezogen.

Die Frage, in wie weit sich die Freimaurerei auf den Menschen auswirkt, bejaht
doch, dass freimaurerisches Tun und Handeln bestimmte Konsequenzen mit sich bringen. Und genau das soll es. Wer die oben gestellte Frage aufwirft, weiß auch nicht recht, was ein Freimaurer ist. Die Frage würde sich sonst erübrigen. Deshalb will ich Sie jetzt fragen, ob Sie einen Freimaurer kennen. Und wenn Sie einen Menschen kennen, der Freimaurer ist, dann beschreiben Sie ihn mir doch kurz in seinen persönlichen Eigenschaften. Ist der, den Sie kennen, zum Beispiel in seinem Denken und Handeln humanistisch orientiert, freundlich, ein guter Zuhörer, ein toleranter und offener Mensch, ehrlich, treu, verlässlich, fleißig und gewissenhaft?

Wenn Sie das Wort „Freimaurer“ zerlegen, so liegen zwei Begriffe vor Ihnen,
nämlich „frei“ und „Maurer“.

Ein Maurer ist ein Bauhandwerker. Er errichtet zum Beispiel Gebäude mit Hilfe verschiedener Werkzeuge und Baustoffe. Dabei muss er sich genauestens an physikalische und rechtliche Vorgaben und Pläne halten, damit das fertige Bauwerk dauerhaft Bestand hat und seinen Zweck erfüllt. Können Sie sich nun vorstellen, dass Sie auch solch eine Tätigkeit an sich selbst verrichten könnten? Sie können diese erlernen. Die Freimaurerei verleiht Ihnen das nötige Werkzeug dafür und der nötige Baustoff ist schon längst vorhanden. Nehmen Sie sich „frei“ dafür!

Wer kann schon von sich behaupten, „frei“ zu sein. In der Freimaurerei gibt es
keine Dogmen, welche persönliche Freiheiten einschränken würden. Berühmte
Philosophen haben sich mit dem Freiheitsbegriff bereits ausführlich
auseinandergesetzt und an dieser Stelle will ich nur einen kleinen Aspekt
herausnehmen und Sie bitten, sich selber danach zu befragen, ob Sie frei von
jeglicher Sorge sind? Können Sie das, was geschieht annehmen und davon lernen, ohne dabei zu vergrämen? Kennen Sie den Spruch, „Wer einem anderen die Schuld gibt, überträgt ihm auch die Macht“? Wie oft haben Sie letztere schon abgegeben oder behalten? Lernen Sie Ihren Standpunkt auszuleuchten und neu zu bewerten. Die Freimaurerei hilft Ihnen dabei, den Sinn Ihres Lebens zu finden und ihn zu erfüllen. Die Frage danach, woher ich komme, wer ich bin und wohin ich gehe soll dabei auch nicht unbeantwortet bleiben. Die Freimaurerei hilft Ihnen, ein neues Bewusstsein über Sie selbst zu schaffen. Sie werden nicht programmiert um später ferngesteuert zu fungieren. Sie werden vielmehr damit beschäftigt sein, Ihr Inneres neu aufzubauen. Gebäude wurden geschaffen, um sich vor Feinden, Kälte, Hitze und anderen Witterungen zu schützen. Gebäude müssen resistent dem gegenüber
geschaffen sein. Wie resistent sind Sie in Ihrer Person gegenüber Anfeindungen, psychischen Übergriffen, Lebensereignissen und der Gleichen?

Freimaurerei bedeutet für mich, ein besserer Mensch zu werden. Meine Antwort auf die Frage, in wie weit sich die Freimaurerei auf den Menschen auswirkt, lautet:

Wer die Freimaurerei ernsthaft im Wirken und Schaffen lebt und sich stets
darin übt, der verändert sich in seinem Wesen und zugleich seine Umwelt,
sichtbar, in vielfältig-positiver Weise.

Um Ihnen einen kleinen Einblick darin zu gewähren, zitiere ich Ihnen nun den
Lehrbrief aus “Wilhelm Meisters Lehrjahren”.
Digitale Bibliothek – Band4: Goethe
Reclams Universalbibliothek Nr. 7826, Seite 519

Lehrbrief

Die Kunst ist lang, das Leben kurz, das Urteil schwierig, die Gelegenheit flüchtig. Handeln ist leicht, Denken schwer; nach dem Gedanken handeln unbequem. Aller Anfang ist heiter, die Schwelle ist der Platz der Erwartung. Der Knabe staunt, der Eindruck bestimmt ihn, er lernt spielend, der Ernst überrascht ihn. Die Nachahmung ist uns angeboren, das Nachzuahmende wird nicht leicht erkannt. Selten wird das Treffliche gefunden, seltener geschätzt. Die Höhe reizt uns, nicht die Stufen; den Gipfel im Auge wandeln wir gerne auf der Ebene. Nur ein Teil der Kunst kann gelehrt werden, der Künstler braucht sie ganz. Wer sie halb kennt, ist immer irre und redet viel; wer sie ganz besitzt, mag nur tun und redet selten oder spät. Jene haben keine Geheimnisse und keine Kraft, ihre Lehre ist, wie gebackenes Brot, schmackhaft und sättigend für einen Tag; aber Mehl kann man nicht säen, und die Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden. Die Worte sind gut, sie sind aber nicht das Beste. Das Beste wird nicht deutlich durch Worte. Der Geist, aus dem wir handeln, ist das Höchste. Die Handlung wird nur vom Geiste begriffen und wieder dargestellt. Niemand weiß, was er tut, wenn er recht handelt; aber des Unrechten sind wir uns immer bewusst. Wer bloß mit Zeichen wirkt, ist ein Pedant, ein Heuchler oder ein Pfuscher. Es sind ihrer viel, und es wird ihnen wohl zusammen. Ihr Geschwätz hält den Schüler zurück, und ihre beharrliche Mittelmäßigkeit ängstigt die Besten. Des echten Künstlers Lehre schließt den Sinn auf; denn wo die Worte fehlen, spricht die Tat. Der echte Schüler lernt aus dem Bekannten das Unbekannte entwickeln und nähert sich dem Meister.

Somit denke ich, dass die Eingangsfrage ausführlich beantwortet ist und möchte abschließend Sie dazu ermuntern, sich mit Ihrem inneren und guten Geist zu beschäftigen und an sich zu arbeiten. Denn wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringe viele Frucht (Johannes 15,5). Sie ahnen, was das bedeutet!

Anstehende Termine

 
 
  • Nach Wahrheit forschen,
    Schönheit lieben, Gutes wollen,
    das Beste tun.


    "Moses Mendelssohn"